Der Mayakalender 

 

Der Begriff „Zeit“ ist unauslöschlich mit unserer Existenz verbunden. Zeit wird als lineare Abfolge von Ereignissen gesehen. Sie gibt uns Rahmen und Struktur für unser Leben vor und ist somit letztlich auch Ursache unserer Sterblichkeit.

Es gibt aber noch eine zweite Art von Zeit: die magische, heilige Zeit. Sie ist die Ebene der kosmischen Ordnung. Hier liegt die Ursache für Rhythmus und Bewegung. Nichts kann ins Leben treten, ohne diese kosmische Ordnung – sie ist Ausfluss dieser heiligen, rituellen Zeit.

Immer wenn wir beten, meditieren oder schöpferisch tätig sind, betreten wir einen rituellen Raum. In einem solchen Augenblick erweisen wir der göttlichen Gegenwart in unserem Leben Achtung und werden zum Mittelpunkt der Welt. In dem Moment betreten wir auch die rituelle Zeit!

Für ihre Kalenderberechnungen benutzten die Mayas drei verschiedene Systeme (und einige Variationen innerhalb der Kalendersysteme). Es sind dies der Tzolkin (der heilige Kalender), der Haab (der zivile Kalender) und die Zählung im System des Long Count. Der Tzolkin umfasst einen Zyklus von 260 Tagen. Er hat keinen direkten Bezug zu irgend einer bekannten astronomischen Periodizität.

Da 260 das kleinste gemeinsame Vielfache von 13 und 20 ist, wiederholt sich ein bestimmtes Tzolkindatum erst nach 260 Tagen.

Für meine Arbeit verwende ich ausschließlich den „Ritualkalender“, wie der Tzolkin auch noch genannt wird. In seiner Dauer entspricht er mit seinen 260 Tagen ungefähr dem Zeitraum von der Zeugung bis zur Geburt des Menschen.

Die Tagesqualitäten entsprechen also in ihrer Ganzheit dem Abbild des Menschen.

Der Tzolkin, oft als heiliger Kalender der Mayas bezeichnet, umfasst einen Zyklus von 260 Tagen. Zu jedem Tzolkintag (Nahual) gehört eine Zahl zwischen 1 und 13 und ein Name aus einer Menge von 20 Tagesnamen. Auch hier finden sich zwei verschiedene Namensbezeichnungen, die sich in ihrer Bedeutung aber nicht unterscheiden:

 
 
IMOX / Imix

Krokodil

Osten

IQ / Ik

Wind

Norden

A´KAB´AL / Akbal

Nacht

Westen

KAT / Kan

Eidechse

Süden

KAAN / Chicchan

Schlange

Osten

KEME / Cimi

Tod

Norden

KIEJ / Manik

Hirsch

Westen

Q´ANIL / Lamat

Hase

Süden

TOOJ / Muluc

Wasser

Osten

TZ´I / Oc

Hund

Norden

BAATZ / Chuen

Affe

Westen

EE / Eb

Straße

Süden

AAJ / Ben

Mais

Osten

I´X / Ix

Jaguar

Norden

TZ´IKIN / Men

Adler

Westen

AJMAC / Cib

Geier

Süden

NOJ / Caban

Weihrauch

Osten

TIJAAX / Etznab

Feuerstein

Norden

KAWOQ / Cauac

Sturm

Westen

AJPUU / Ahau

Ahnen

Süden

 
Die Nummern und Namen durchlaufen den Kalender unabhängig. Die Folge der 260 Tage ergibt sich aus der Abfolge der 20 Nahuales 
(Tagesqualitäten) und der Zählfolge 1 bis 13. Nach 13 wird einfach wieder mit 1 zu zählen begonnen.

Die Reihenfolge der 13 – Tagesperioden ist also nicht identisch mit der Reihenfolge der Tage. Die Aufeinanderfolge der vier Himmelsrichtungen, denen die Tage zugeordnet sind, ändert sich jedoch nicht. Die vier Richtungen der Zeit drehen sich weiter in ihrem eigenen Zyklus, sei dies der Zyklus der Tage oder der der 13 – Tagesperioden.

Wer nach dem Mayakalender leben möchte, der kommt nicht daran vorbei, diesen 13- Tagesperioden Aufmerksamkeit zu schenken. Sie bestimmen den Zeitpunkt für jedes wichtige Ritual im Leben der Maya. Die niedrigen Zahlen sind demnach schwächer, während die mittleren Tage 6, 7, 8 und 9 stark und ausgeglichen sind. In den letzten Tagen eines Zyklus, also 10, 11, 12 und 13 nimmt die Energie wieder ab, sodass man wichtige Entscheidungen, Handlungen oder Rituale am besten an den Tagen in der Mitte einer Periode durchführen wird.

Zu den 20 Nahuales